Unser Schulkind und der Umgang mit Fremden

Unser Tochterkind ist seit nun knapp 3 Wochen ein Schulkind. Viele meiner Bedenken haben sich in Luft aufgelöst. Sie hat sich gut eingelebt in der kurzen Zeit und sehr schnell kam der Wunsch nach mehr Selbstständigkeit. Sie wollte den knapp 15 Minuten langen Weg zur Bushaltestelle alleine gehen.

Ich muss zugeben, es war ein komisches Gefühl zu sehen, wie sie am nächsten Morgen ganz alleine den Weg antrat. Mein kleines Mädchen war auf einmal so groß! Doch vor allem war ich unheimlich stolz auf sie.

Ich habe da jemanden kennen gelernt

Vor ein paar Tagen erzählte sie mir dann, dass sie jemanden kennen gelernt hat.  Morgens geht dort an der Straße ein Mann mit seinem Hund an der Straße spazieren. Sie durfte den Hund streicheln, am nächsten Tag hatte er Leckerli für das Tier dabei zum füttern.  Ok, das war erst einmal eine Aussage, die mein Mamaherz schneller schlagen ließ. Am liebsten hätte ich laut gerufen Mensch Kind, wie oft habe ich dir denn gesagt, dass du nicht mit Fremden sprechen sollst! Aber da es mir wichtig ist, dass sie sich in einer anderen Situation auch noch traut sich uns anzuvertrauen, habe ich das gelassen. Sie merkte dennoch, dass ich etwas aufgebracht war und versicherte mir gleich, dass der Mann ganz lieb aussehen würde und der Hund auch.
Nun gut, wir sind vor Kurzem aufs Dorf gezogen und zu 99% war das nur ein netter älterer Mann, der sich einfach gerne unterhält. Aber ein unangenehmes Gefühl blieb trotzdem. Ich nutzte die Situation jedoch um noch einmal unsere Regeln im Umgang mit Fremden zu wiederholen.

Unsere 5 Regeln im Umgang mit Fremden

  1. Ich spreche nicht mit Fremden
  2. Ich darf nichts von Fremden annehmen, sei es Hundefutter, Süßigkeiten oder sonstwas ohne Mama oder Papa zu fragen
  3. Ich darf nicht zu Fremden, Bekannten oder Nachbarn ins Auto steigen, mitgehen oder abgeholt werden, wenn das nicht vorher mit Mama oder Papa besprochen war. Falls es nicht abgesprochen ist, wird ein Codewort abgefragt. (Das Codewort wurde von ihr festgelegt, falls es dem Fremden bekannt ist, dann darf sie mit)
  4. Falls mich jemand wegzieht (zum Auto oder weg von der Bushaltestelle) , darf ich laut sein, hauen, kneifen, schubsen, treten. Ich muss nicht nett sein zu Erwachsenen, wenn etwas passiert, dass ich nicht will.
  5. Erwachsene helfen Erwachsenen- falls mich auf der Straße jemand Fremdes um Hilfe bittet, dann darf ich auf einen anderen Erwachsenen verweisen.

Angst machen oder vorbereiten? Ein schmaler Grad

Es ist wirklich ein sensibles Thema, das Kind vorzubereiten auf solche Situationen ohne  Angst vor Menschen und dem Leben an sich zu verbreiten. Jedoch finde ich, dass Kinder in dem Alter, in dem sie sich alleine auf der Straße bewegen, das relativ gut differenzieren können. Und es gibt ja leider wirklich genügend Menschen, die nicht nur Gutes im Sinne führen.
Wichtig ist auch, die einzelnen Regeln ausführlich zu besprechen.

-Wer ist Fremd? Schließt das die entfernte Bekannte mit ein, oder nur Personen, die man noch nie  gesehen hat?
-Die Lehrerin darf natürlich nicht getreten werden, wenn sie etwas sagt, was man nicht hören will.
etc.
– Was ist mit Hilfe gemeint? Natürlich darf man z.B. einer alten Dame etwas aufheben. Aber mitgehen um zu helfen ist nicht erlaubt.

Der sieht aber so lieb aus

In Kinderfilmen und Büchern sind die Bösewichte immer auf den ersten Blick zu erkennen. Sie haben vielleicht eine Hakennase, eine Narbe im Gesicht oder tragen zerrissene Kleider. Im wahren Leben ist das leider nicht der Fall und das macht es für die Kinder schwer. Auch mir fiel es schwer dem Tochterkind zu erklären, dass böse Menschen nicht unbedingt böse aussehen. Es gibt keine äußerlichen Merkmale die für alle Schurken zutreffen, deshalb ist es ja so wichtig, bestimmte Regeln aufzustellen und dem Kind zu vermitteln, etwas Vorsicht walten zu lassen.

Entwarnung

In den nächsten Tagen habe ich dann doch unser großes Schulkind zum Bus begleitet. Ich wollte mir den Mann ansehen, mir einen Eindruck von ihm machen und ihn noch einmal bitten, die Kinder nicht in Gespräche zu verwickeln. Sie sollen die Scheu vor Fremden nicht verlieren und es bringt sie in einen ordentlichen Zwiespalt. Schließlich wollen sie nicht unhöflich sein, aber sie wissen auch, dass sie nicht mit Fremden sprechen dürfen.
In unserem Fall war der Fremde tatsächlich ein dorfbekannter, älterer Mann, der gerne tratscht. Ich war natürlich erleichtert und bin froh, dass wir so dieses Thema noch einmal vertiefen konnten.

Ein paar Tage später kam ich übrigens in eine ähnlich blöde Situation. Eine neue Freundin des Tocherkindes stieg mittags bei strömenden Regen an der Bushaltestelle aus und ich war kurz in Versuchung sie zu fragen, ob ich sie mitnehmen soll. Sie wohnte schließlich auf dem Weg. Doch ich hielt noch inne und wusste, auch ihre Eltern haben ihr mit Sicherheit gesagt, dass sie nicht bei Fremden  ins Auto steigen soll. Ich würde sie nur in Erklärungsnot bringen, meiner Tochter ein schlechtes Vorbild sein und zum Glück schadet so ein Regenschauer ja auch nicht wirklich.

Wie ist das bei euch? Sind eure Kinder alleine unterwegs? Habt ihr auch Regeln aufgestellt? Hinterlasst mir gerne ein Kommentar!

Alles Liebe <3

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