Abschied nehmen

Jetzt steht er bald vor unserer Tür: Der große Abschied! In einer Woche verlassen wir die Wohnung, in der unsere Kinder aufgewachsen und der Sohnemann geboren wurde, den Stadtteil, den die Kinder inzwischen wie eine Westentasche kennen und die Freunde, die wir hier in all den Jahren gesammelt haben.

Wir Großen wissen was auf uns zukommt. Wir kennen das traurige Gefühl Altvertrautes zurückzulassen und wir kennen das kribbelige, aufregend Gefühl, wenn wir an den Neuanfang denken.

Der erste Abschied für die Kinder

Unsere Kinder erleben diesen Abschied zum ersten Mal bewusst. Sie wissen nicht, was es bedeutet in ein anderes Heim zu ziehen. Wir werden regelmäßig gefragt, ob wir unsere Möbel, unsere Klamotten oder Türen und Fenster mitnehmen. Woher sollen sie es auch wissen? Natürlich besteht große Vorfreude, wenn wir unseren Bau besuchen oder uns unser neues Heimatdorf ansehen. Aber auf der anderen Seite gibt es da eben auch eine Unsicherheit und eine Traurigkeit.

Besonders Traurig wird für die Kinder der Verlust der Freunde. Dies trifft in erster Linie auf unser Tochterkind zu, die hier in ihrer Kindergartenzeit einige feste Freundschaften geschlossen hat. Oft sitzt unser Mädchen am Tisch, sieht träumend vor sich hin und fragt mich, wie lange es dauert, bis sich eine neue Freundschaft bildet, wie man das überhaupt macht, dass man befreundet ist und wie man sich überhaupt jemanden aussucht, mit dem man befreundet sein möchte .

Die findet doch schnell neue Freunde…

Wir als Erwachsene wissen aus Erfahrung, dass Kinder in dem Alter schnell neuen Anschluss finden und sich einleben. Besonders wenn für alle ein neuer Abschnitt anfängt, in dem man sich erst finden muss,wie der Schul- und Kindergartenstart. Doch woher sollen die Kinder das wissen? Sie haben noch nicht die Erfahrung, sie müssen sie erst sammeln.

Ganz unabhängig davon, darf Kummer auftreten, wenn man gute Freunde zurücklässt. Die Traurigkeit gehört dazu und es ist eine Emotion, die man ausleben sollte und die ernst genommen werden muss.

Wir hören zu, wenn unsere Kinder uns erzählen, dass sie Angst haben. Dass sie sich sorgen, ob sie neue Freunde bekommen und die Alten vermissen. Wir nehmen sie in den Arm, streicheln tröstend über den Kopf und helfen ihnen so gut es geht durch diese Zeit. Doch eines werden wir mit Sicherheit nicht machen: Ihr Empfinden runterspielen, bagatellisieren oder mit Sprüchen übertünchen. Wenn man sich mal an seinen ersten Liebeskummer zurückerinnert, hat es einem auch nicht geholfen, wenn die Mutter gesagt hat: Andere Mütter haben auch schöne Söhne/ Töchter…, bald wird es vergessen sein….

Das alles sind nett gemeinte Versuche zu helfen, damit es einem schnell besser geht. Doch manche Dinge brauchen einfach Zeit.

Abschiedsfeier und Brieffreundschaften 

Um unseren Abschied gebührend zu feiern, werden wir mit unseren Nachbarn und Freunden eine Abschiedsparty im Garten feiern. Es wird gegessen, getrunken, gespielt und hoffentlich viel gelacht. Mir ist dieses Ritual wichtig um mit einer Phase abschließen zu können und noch einmal Danke zu sagen, für eine schöne gemeinsame Zeit!
Im Kindergarten wird auch noch einmal Abschied gefeiert, ich werde einen Kuchen backen und unser Tochterkind kann allen auf Wiedersehen sagen.

Und wenn das Tochterkind ganz stark unter der Sehnsucht leidet, hat mich meine Nachbarin auf eine tolle Idee gebracht: Brieffreundschaften! Das ersetzt zwar keine Treffen, aber der Kontakt bleibt bestehen und es verschafft Freude, wenn dann später die Briefe der Freundin eintreffen.

Und der Rest wird sich mit der Zeit zeigen <3

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