Steine bemalen – Tipp für den Umgang mit Trauer bei Kindern

Der Tod ist ein Thema, mit dem sich niemand gerne beschäftigt. Wenn man Kinder hat, wird man aus einer ganz neuen Sichtweise damit konfrontiert. Man ist nun gezwungen sich mit Fragen auseinanderzusetzen, über die man sonst nicht so gerne nachdenkt.

 

Wie man Fragen rund um den Tod beantwortet, hängt natürlich stark davon ab, ob und falls ja, welcher Religionsgemeinschaft die Familie angehört. Mein Mann und ich sind vor Jahren aus der Kirche ausgetreten und wir stellen es unseren Kindern frei sich später eine eigene Meinung zu dem Thema zu bilden.

Unsere Große hat leider bereits den Tod einiger Urgroßeltern miterlebt und wir haben dieses Thema so offen und ehrlich mit ihr besprochen, wie man es eben mit einer damals 3-jährigen besprechen kann. Auf die Frage, was nach dem Sterben passiert, antworteten wir stets, dass wir darauf leider keine Antwort wissen, aber die Verstorbenen immer bei uns im Herzen existieren werden. Wir haben bewusst vermieden zu sagen, dass der Uropa jetzt im Himmel ist oder dass er eingeschlafen ist. Ich wollte keine Verknüpfung herstellen zwischen schlafen und sterben, ich weiß noch, dass ich da als kleines Mädchen große Probleme mit hatte.

Da wir nun ja mit der Religion nicht viel am Hut haben und auch nicht regelmäßig zum Friedhof gehen, habe ich mir etwas überlegt, wie ich unsere Großeltern auch für meine Kinder in Erinnerung halten kann.

Wir nehmen uns ab und an einen Nachmittag Zeit und bemalen Steine, die wir liebevoll verzieren und ich erzähle dabei Geschichten. Ich erzähle von meinem Opa, der immer mit mir zum Zahnarzt gegangen ist und meinen Fuß gehalten hat, weil ich soviel Angst hatte. Der sich bei Gewitter mit mir, meiner Schwester und dem Hund im Auto eingeschlossen hat und der riesige Angst vor Fröschen und Mäusen hatte. Ich erzähle von meiner Oma, die in einer Pommesbude arbeitete und bei der ich immer ganz viel Pommes essen konnte. Ich erzähle von der Oma meines Mannes, die immer fand, dass unsere Tochter wie eine Puppe aussieht und die meinen Mann in der Phase seines Lebens, der größtenteils vor dem Computer stattfand, vor dem Hungertod rettete.

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Ich mag dieses Ritual auch sehr gerne und ich denke liebevoll an so manche Szenen zurück und manchmal kullert dabei sogar eine Träne. Aber das finde ich nicht schlimm, denn schließlich fehlen sie mir ja und ich finde Emotionen sollte man auch ruhig zeigen dürfen. Auch vor Kindern, wie sollen sie sonst lernen, dass man Trauer zeigen darf?

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Demnächst werden wir die Steine zu den jeweiligen Gräbern bringen. Die Kinder dürfen sie ablegen und wir werden kurz innehalten.

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Meine Tochter redet liebevoll über ihre verstorbenen Urgroßeltern und ich hoffe, dass sie einige Erinnerungen daran behalten wird. Und so leben unsere Lieben weiterhin noch ein wenig in unseren Herzen <3

Ein Kommentar bei „Steine bemalen – Tipp für den Umgang mit Trauer bei Kindern“

  1. Das ist eine sehr schöne Idee, ein schönes Ritual.

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