Bio vs. regional – was ist besser?

Heute gibt es eine Premiere auf meinem Blog, denn ich veröffentliche zum ersten Mal einen Gastartikel. Isa, die Bloggerin von Welten-Bummeln.de, hat sich mit einer Frage befasst, die sich bestimmt schon viele gestellt haben, die bewusst und nachhaltig leben wollen. 

Ich freue mich sehr und hoffe, dass euch der Artikel ebenfalls gut gefallen wird. Viel Freude! 

 

Bio vs. regional – was ist besser?

Tagtäglich werden wir Konsumenten bei unseren Einkäufen mit einer Vielfalt an Möglichkeiten konfrontiert. Wir müssen uns entscheiden wo wir einkaufen, was wir brauchen und wie viel wir dafür bezahlen möchten. Die meisten unter uns kaufen primär in Supermärkten (hauptsächlich bei Discountern) ein, da dort im Normalfall alle benötigten Lebensmittel angeboten werden. Anders wie auf Wochenmärkten, wo einem eine eingeschränkte Auswahl erwartet. Außerdem ist das Angebot im Supermarkt sehr vielfältig. Die Palette reicht von Preisen für die kleine Geldbörse bis hin zu teuren Luxusprodukten.
Bei unseren Einkäufen werden wir noch mit einer weiteren Frage konfrontiert: Welchen Vertreter der Produkte soll ich wählen? Soll ich die Äpfel aus der Steiermark nehmen, oder nehme ich den Bio-Apfel aus Argentinien? Worin besteht der genaue Unterschied zwischen der kostengünstigeren, regional produzierten Milch und der teureren, ebenfalls regional produzierten Milch?
Die Kaufentscheidung wird uns Konsumenten nicht einfach gemacht. Die Vielfalt an Siegeln und die verwirrenden Werbebezeichnungen mindern die Transparenz beim Einkauf. Ich habe mich in den letzten Wochen intensiv mit der Frage beschäftigt:

Was ist besser – bio oder regional?
Die Ergebnisse meiner Recherche möchte ich euch gerne präsentieren. Zuerst werde ich die beiden Begrifflichkeiten „bio“ und „regional“ genauer erläutern.

Was heißt: „regional“?
„Regional“ ist kein geschützter Begriff. Was genaue eine Region sein soll, wurde bisher nicht klar definiert. Regional kann bedeuten, dass das Produkt aus dem Nachbarort nebenan stammt. Produkte können aber auch als „regional“ bezeichnet werden, wenn sie aus demselben Bundesland oder auch aus demselben Land stammen, wo man wohnt. Eine klare, gesetzlich festgelegte Definition würde die Transparenz erhöhen.
Wer regional einkauft, tut dem Klima etwas Gutes. Zumindest meistens. Die Klimakonferenz im Dezember diesen Jahres hat gezeigt, dass der Kampf für eine gesunde Umwelt eine neue Ära erreichen wird. Wir Konsumenten sind ebenfalls gefordert, unseren Lebensstil nachhaltig zu gestalten. Regionale Produkte sind meist gekennzeichnet durch einen kleineren, ökologischen Fußabdruck. Einen langen Transportweg mit großem CO2-Verbrauch haben regionale Produkte nicht vor sich. Muss ein Produkt aber lange kühl gelagert werden revidiert sich dieser Nachhaltigkeits-Vorteil.
So sind Äpfel im Frühling, die lange Zeit im Kühlhaus gelagert werden mussten, genauso umweltschädlich wie importierte Äpfel. Hingegen sind saisonale, regionale Produkte empfehlenswert.
Der Begriff „regional“ gibt keine Auskunft über die Herstellungsbedingungen. Eier von Hühnern aus Legebatterien können genauso regional sein wie handverlesene Erdbeeren vom Biobauern.

Was heißt „bio“?
Der Begriff „bio“ und „öko“ ist staatlich geschützt. Es gibt strenge EU-Richtlinien, was als „bio“ bezeichnet werden darf und was nicht. Außerdem finden regelmäßige Kontrollen statt, ob diese Standards auch eingehalten werden. Produkte mit dem Gütesiegel Bioland oder Demeter unterliegen sogar noch strengeren Richtlinien.
Bio Produkte sind gentechnikfrei und werden nachhaltig produziert. Sie stehen für Fairness und wertschätzenden Umgang mit der Umwelt, dem Produzenten und den Tieren.
Bio Produkten scheinen demzufolge eindeutig die bessere Wahl zu sein.
Diese positiven Aspekte zeigen sich auch in der Wirtschaft. Stetig steigt die Nachfrage nach Bio-Produkten. Jahr für Jahr wird mehr Umsatz mit dem Bio-Business erwirtschaftet.

Zahlen aus Deutschland zeigen aber, dass jährlich etwa 600 Biobauern mit ihrer Bio-Landwirtschaft aufhören. Wie lässt sich dieser Rückgang erklären, wo doch die Bio-Wirtschaft boomt? Für die Bio-Bauern bedeutet die Bio-Landwirtschaft:
Weniger Geld für mehr Arbeit.
Bio-Produzenten aus Osteuropa drücken die Preise so stark, dass viele Biobauern um ihr Bestehen zittern müssen. Klar, die Abnehmer kaufen von dem Produzenten, der am billigsten ist. Somit bleiben heimische Produzenten vielfach auf ihrer Ernte sitzen oder müssen sie für einen Minimalpreis verkaufen. Kein Wunder, dass jedes zweite Bio-Produkt im Supermarkt aus dem Ausland kommt. Bio ist also auch nicht des Rätsels Lösung.

Eine für mich zufriedenstellende Antwort auf die Frage, was nun die bessere Wahl ist, habe ich nicht gefunden. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, da beide Varianten Nachteile mit sich ziehen. Anstatt sich für weiß oder schwarz zu entscheiden, plädiere ich deshalb für grau.
Damit meine ich, beide Varianten möglichst zu kombinieren.

Bio UND nachhaltig – wie lässt sich das im Alltag realisieren?

In Deutschland ist Bad Württemberg ein Vorreiter in Sachen regional und bio. Dort existiert seit 2002 ein Siegel, welches nur biologisch UND regional erzeugte Produkte erhalten. Die Bio-Standards sind strenger als die EU-Richtlinien. Alle Rohstoffe des Produktes stammen aus der Region Baden-Württemberg und werden auch dort verarbeitet. Auf dieser Website findet man mehr Informationen über das Bio-Regional-Zeichen.

In Österreich gibt es die Initiative GENUSS REGION ÖSTERREICH. Ziel dieser Organisation ist es, regionale Produkte und Spezialitäten zu bewerben. Die Konsumenten sollen darüber informiert werden, welche speziellen kulinarischen Angebote eine bestimmte Region bietet. So gibt es beispielsweise alleine in Oberösterreich 16 Genussregionen. Diese reichen vom Leondinger Grünspargel, über Nationalpark Kalkalpen Bio-Rind bis zu Mühlviertler Bergkräuter. Durch diese Initiative sollen Produkt und Region zu einer einzigartigen Marke verschmelzen und somit zu einer höheren Wertschätzung beitragen. In dem Projekt sind Landwirte, Gastronomen und Tourismusbetriebe involviert. Um zur Genuss Region Österreich nominiert zu werden, müssen spezielle Kriterien eingehalten werden. Welcher Betrieb nach den strengen biologischen Kriterien arbeitet und welcher nicht, ist durch weitere Gütesiegel gekennzeichnet.
Die Produkte können direkt ab Hof gekauft werden, online bestellt werden oder auch (mit eingeschränkten Sortiment) im Supermarkt und kleinen Spezialitäten-Läden gekauft werden.

Ein wichtiger Hinweis, den ich euch nicht vorenthalten möchte, ist das „Slow Food“ Konzept. Die weltweit vertretene Non-Profit-Organisation stellt Genuss und nachhaltige Produktion in den Vordergrund. Ich selbst bin von diesem Konzept begeistert und deshalb selbst „Slow-Food“ Anhänger. Mehr dazu erfährt ihr auf dieser Website.

Kurze Zusammenfassung der Tipps:

– Gütesiegel beachten, auf Regionalität UND biologische Produktion achten
– Saisonal einkaufen, den eigenen Speiseplan an die jeweilige Jahreszeit anpassen
– Wertschätzender Umgang mit Lebensmittel, keine Verschwendung
Restaurants bevorzugen, die Produkte von Erzeugern aus der Umgebung verwenden (bei
Bedarf um Auskunft bitten)
– Direkter Ab-Hof-Verkauf und Bauernmärkte bevorzugen und somit die Landwirte der Region stärken
– Regionaltypische Spezialitäten kaufen
– Idee der Slow-Food Organisation aufgreifen

Ich wünsch allen Lesern viel Genuss und ein gutes Gefühl beim Einkauf von regionalen, saisonalen und biologischen Produkten!
Verfasst von Isa, Genussreisende, Bloggerin und kritische Konsumentin

1 Kommentar

  1. Das ist eine Frage, die ich mir auch oft stelle… 🙁 Wir haben daraufhin versucht, das Problem zu lösen, indem wir einfach so viel wie möglich selbst anbauen 🙂 Leider wissen wir bei Öl, Mehl, Zucker und insbesonder Milch und Eiern immer noch nicht, wie bio bio ist und ob regional da viel besser ist… :/ Danke für den spannenden Beitrag!

    Liebe Grüße,
    Hannah von http://www.fahrtrichtungeden.wordpress.com

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